„Möje Jott oss wiggere jo jesonne senn!“

Eschweilers Karnevalskomitee feiert sein 8×11-jähriges Bestehen mit Empfang, Gottesdienst und Zapfenstreich


Eschweiler Welch ein schönes närrisches Jubiläum. Das Karnevalskomitee der Stadt Eschweiler lud am Samstag nachmittag in den Ratssaal zum Empfang „8 x 11 Jahre Komitee“. Einfach gesagt versammelte sich alles, was karnevalistischen oder politischen Rang und Namen in der Indestadt besitzt.

Norbert Weiland freute sich jedenfalls über die zahlreichen Gäste und Gratulanten. Anders als üblich wolle man diesen Tag feiern, ohne Festabend oder exklusive Gala-Veranstaltung: „Wir finden, dass der Karneval eine bodenständige Sache ist und daher halten wir es für angebracht, mit allen Menschen in der Stadt unser Jubiläum zu feiern.“ Statt einer ausufernden Rede erinnerte Norbert Weiland lieber an die Persönlichkeiten, die in den vergangenen Jahrzehnten den Stellenwert des Karnevals prägen halfen, darunter Jupp Carduck, Männ Dohmen, Oskar Jansen, Jakob Kohl und Bernd Koslar, um nur einige wenige zu nennen. Ein dickes Dankeschön ging aber ausdrücklich auch an die Eschweiler Karnevalsgesellschaften, die trotz ihrer Eigenständigkeit und Eigenart Jahr für Jahr dafür sorgten, dass es nur einen, dafür aber gemeinsamen Prinzen gebe, der von Allen, ob Groß oder Klein, bejubelt und regelrecht getragen werde. Der Rosenmontagszug Eschweilers, so Norbert Weiland, werde vom WDR als der Drittgrößte des Landes betitelt, mit über 60 Musikeinheiten und mit über 6000 aktiven Teilnehmern. Niemand wisse so ganz genau, welchen Ranglistenplatz er nun in der Statistik wirklich einnehme. Eines sei jedoch gewiss: „Er ist ein echtes Gemeinschaftsprodukt aller Gesellschaften, voller Herzblut und Spaß an d´r Freud.“

Im Mittelpunkt des eigens für das Jubiläum entworfenen Ordens stehe der Eschweiler Stadtlöwe, aber deutlich als „Fastelovendsjeck“. Über einen solchen durften sich ausgesuchte Damen und Herren während und im Anschluss an Norbert Weilands Rede freuen. Nein, käuflich erwerben könne man den Orden nicht, so der Komitee-Präsident. Den müsse man sich im Sinne des Eschweiler Karnevals redlich verdienen.

Nach Gratulationscour, kleiner Stärkung und Smalltalk im Ratssaal zog die närrische Schar per Fackelzug über den Markt zur Peter-und-Paul-Kirche.

„Leev Fastelovendsjecke uss römm on tömm, zum ökumenischen Gottesdienst anlässlich des 8 x 11-jährigen Bestehens des Karnevals-Komitees der Stadt Eschweiler darf ich Sie herzlich willkommen heißen!“ eröffnete Komiteepräsident Norbert Weiland den feierlichen Akt in der Kirche. Und die war proppenvoll. Kaum einer wollte diesen besonderen Gottesdienst verpassen. „Ja, warum feiert das Karnevals-Komitee einen Gottesdienst?“ führte Weiland weiter aus. „Passt das überhaupt zusammen? Unsere Antwort ist ein klares bestimmendes Ja! Erstens ist der Ursprung des Karnevals im Ablauf des Kirchenjahres begründet und zweitens sind wir hier um unseren Herrrgott zu danken, dass wir über so einen langen Zeitraum unser Brauchtum ausleben durften“, zeigte sich Weiland sichtlich gerührt.

Es war schon eine besondere und feierliche Atmosphäre in dem ehrwürdigen Gotteshaus, als die große Karnevalsfamilie mit den Zelebranten Pfarrer Michael Datené und Pfarrer Thomas Richter und unter den Klängen (Tochter Zion) des Orchesters der Freiwilligen Feuerwehr unter Leitung von Thomas Lehnen einzog. Die Komiteemitglieder stellten ihre Jubiläumskerze auf, die so groß ist, dass sie locker bis Aschermittwoch durchbrennen könnte. Die 22 Standartenträger positionierten sich hinter dem Altar und sorgten für einen bunten, aber würdigen Rahmen.

Nach der liturgischen Eröffnung der beiden Pfarrer spielten die Kröetsch „Minsche wie mir“ Ein Titel, den die vielen Geburtstagsgäste nur allzu gerne mitsangen: „Minsche wie mir dun kriesche un laache, Minsche wie mir sin nit jän allein. Rötsch doch jet nöher, wie Fründe dat maache. Minsche wie mir, jo Minsche wie mir!“

Es folgten Gebete und Lesungen der Pfarrer, bevor die Kröetsch „Jeden Dach ohne laache“ anstimmten.Die Fürbitten sprachen die Präsidenten von sieben Karnevalsgesellschaften.

Pfarrer Michael Datené, der die etwas andere Messe mit seinem Kollegen Thomas Richter zelebrierte, nutzte die Gelegenheit, Bürgermeister Rudi Bertram nach seiner Genesung sprichwörtlich wieder in der ersten Reihe begrüßen zu können. Die lange Reihe der Standartenträger der Karnevalsgesellschaften, die uniformierten Karnevalisten und nicht zuletzt die Funkenmariechen, die die Kollekte übernahmen, sie alle sorgten für eine farbenfrohe Messe. Den „Kröetsch“ gelang der musikalische Spagat zwischen respektvollen und dennoch schwungvollen Klängen. Dr. Heinz Jansen verzichtete in seiner Predigt bewusst auf tiefreligiöse Ausführungen, sondern lieferte „allenfalls Gedanken eines sich bemühenden Christen und überzeugten Fastelovend-Freundes“. Die Frage, ob Kirche und Karneval zusammenpassen, war angesichts der bunten ökumenischen Messe im Zeichen des Komitee-Jubiläums natürlich eine rein rhetorische.

Nach der feierlichen Kerzenweihe durch Pfarrer Michael Datené zog die Karnevalsfamilie zum traditionellen Laridah, gespielt vom Orchester der Freiwilligen Feuerwehr auf den Marktplatz Den Höhepunkt bildete hier der „karnevalisierte Zapfenstreich“ der Eschweiler Scharwache. Der Regimentsmusikzug, bestehend aus Musikern des Spielmannszuges Lohn und des Orchesters der Freiwilligen Feuerwehr, stimmte unter der Leitung von Thomas Graff und Thomas Lehnen das Geburtstagsständchen an. Ein sehr emotionaler und berührender Moment, der den vielen Geburtstagsgästen trotz der eisigen Kälte das Herz erwärmte. Und so mancher wischte sich vor Rührung verstohlen ein Tränchen aus den Augen.

Am Ende gab es dann Freibier (und alkoholfreie Getränke) für alle. Kurzum: Das war ein wunderschöner Tag, eine wunderschöne Feier der besonderen Art.

(Wir zitieren die Eschweiler Nachrichten vom 21.01.2019, Text und Bilder Irmgard Röhseler und Paul Santosi )

8 x 11 Jahre Karnevals-Komitee