Mit Brüdern feiern und bunt statt braun 

Sechsstündige Proklamation in der Festhalle Dürwiß: Simon I. ist Eschweiler Prinz, Bruder David Zeremonienmeister

Fulminanter Startschuss: 319 Tage nachdem die traumhafte Reise von Paulo I. durch die Eischwiele Fastelovend ihr Ende fand, wird die Indestadt endlich wieder von einer Tollität regiert: Prinz Simon I. wurde am Samstagabend in der proppenvollen Festhalle Dürwiß von Komitee-Präsident Norbert Weiland proklamiert, mit den Insignien Mütze, Pritsche, Orden, Urkunde und Stammbuch ausstaffiert und in Amt und Würden eingeführt. Als Bürgermeister Rudi Bertram der Tollität den Rathausschlüssel übergab, waren die Machtverhältnisse für die kommenden fünfeinhalb Wochen geklärt.

Unter dem Jubel seiner närrischen Untertanen zeigte sich Simon I. spürbar berührt – und erleichtert, einen besonderen Menschen an seiner Seite zu haben, der ihm während seiner Regentschaft den Weg weisen wird. Zeremonienmeister David, älterer Bruder des Prinzen, verkörpert perfekt das Motto des Prinzengespanns: „Fastelovend viere mer Bröder met üsch. Allemole Eischwiele – Allemole glich!“

Triumphzug auf die Bühne

Ein Leitspruch, der sich wie ein roter Faden durch die sechsstündige Prinzenproklamation zog. Bereits zu Beginn hatte Norbert Weiland betont, dass die Farbe „Bunt“ als Zeichen des Friedens und der Freude die Indestadt präge. „Braun wird niemals die Farbe unserer Herzen sein!“, so der Komitee-Präsident, der neben den vielen Gästen aus Eschweiler auch Besucher aus den Partnerstädten Wattrelos, Reigate & Banstead sowie erstmals Sulzbach-Rosenberg willkommen hieß.

Nach diesem ruhigen Auftakt brachen schnell alle Dämme: Die da noch designierte Tollität bahnte sich samt Gefolge in einem Triumphzug den Weg zur Bühne und verwandelte die Festhalle in ein Blumenmeer aus gelben Rosen. Weiland stellte die Tollität dem Publikum mit launigen Worten vor: „Es war der zweite Weihnachtstag des Jahres 1982, als ein Holländer namens Sjef im St.-Antonius-Hospital zu Eschweiler das Beste vom Guten erwartete: die Geburt seines Sohnes Simon. Diesem eilte wenige Jahre später der Ruf des Babysitter-Killers voraus.“ Der Freund des guten Essens, der sich vor allem an „Kohlrouladen von Oma“ labe, sei als Bauingenieur in Sachen Brandschutz EU-zertifiziert, habe mit „Kennerblick“ seine Frau Jacqueline in die Arme geschlossen, seinem Hobby Fußball beim SCB Laurenzberg gefrönt und sich nicht zuletzt der Feuerwehr verschrieben, was ihm seinen Scharwach-Namen „Grisu“ eingebracht habe.

Im Jahr 2001 in die Scharwache eingetreten, habe er sich dort in vielen Ämtern engagiert. „Doch sein allergrößter Wunsch war immer, einmal Prinz in seiner Heimatstadt zu sein. Dieser Traum soll nun wahr werden!“, sagte Weiland. „Setzt euer Motto in die Tat um und lasst tatsächlich niemanden alleine am Wegesrand stehen“, gab er dem Prinzengespann mit auf den Weg. In die gleiche Kerbe schlug Bürgermeister Bertram, der letztmals den Schlüssel überreichte und Ovationen erhielt: „Ihr beide seid als echte Eischwiele Jonge mit eurer Bodenständigkeit genau am richtigen Platz, um knapp 60.000 Menschen mit Herzblut mitzunehmen und ihnen Freude zu bereiten“, appellierte er.

Bild: Andreas Röchter

Dass Prinz Simon I. und Zeremonienmeister David ihre Aufgaben ernst nehmen, stellte die Tollität mit ihrer „Regierungserklärung“ unter Beweis. „M´r sin allemole glich und feiern gemeinsam friedlich Karneval. Rassismus hat bei uns keinen Platz“, lautet Paragraph eins. Weitere Ideen: Im Rathausquartier soll eine Straße den Namen „Äu-Lersch-Straße“ tragen, Schüler sollten eine Karnevalswoche ohne Klausuren und Hausaufgaben erhalten und alle Bürger den Einzelhandel unterstützen. Und: „Wir wünschen uns, dass in den kommenden fünfeinhalb Wochen jeder Künstler auf der Bühne Aufmerksamkeit erhält.“ Ein Ansinnen, das am Samstag noch nicht von allen Gästen beherzigt wurde.

„Heiß wie Frittenfett“

Wie bunt der Eischwiele Fastelovend ist, wurde beeindruckend deutlich: Hofnarr Dorothee Schmitz (KG Narrenzunft Pumpestich) legte den Finger in manche Wunde. Die Fanfarentrompeter „Die Nothberger“ und die Mundartgruppe „Kröetsch“ heizten ein, Stefanie Bücher (KG Nothberger Burgwache) sprach als „Breedmuhl van Bersch“ zur Hautevolee, Wolfgang Mertens und Gregor Wings überbrachten die Glückwünsche der Ex-Prinzen, die Tanzgruppen der KG Die Löwengarde und des Karnevals-Komitees begeisterten.

Gegen Mitternacht stürmte mit den Inde-Singers die dienstälteste Mundartgruppe Eschweilers die Bühne. Simon I. und David stimmten mit ihnen das aus der Feder Christian Leuchters stammende Prinzenlied „Bröder“ an, brachten die Festhalle mit dem mitreißenden Song zum Kochen und legten mit dem „Scharwach-Pänz-Rock“ einen drauf.

Den beeindruckenden Schlusspunkt unter die Proklamation setzte standesgemäß die Mutter Scharwache. „Und dies war erst der Anfang. Wir alle sind heiß wie Frittenfett. Los geht’s!“, blickte Prinz Simon I. der nahen Zukunft entgegen. Die fünfte Jahreszeit ist eröffnet!

(Text und Bild: Andreas Röchter, Eschweiler Zeitung/Nachrichten vom 20.01.2020)

Prinzenproklamation 2020: Mit Brüdern feiern und bunt statt braun