Die Jahresschluss-Sitzung des Karnevals-Komitees ist von emotionalen Gegensätzen geprägt. Die Tendenz für die kommenden Monate: auf vereinsinterne Veranstaltungen beschränken.

Motto der Session 2020/21

Euphorische Rückschau, banger Blick nach vorne: Die Jahresschluss-Sitzung des Karnevals-Komitees der Stadt Eschweiler in der Festhalle Dürwiß war von Gegensätzen gekennzeichnet. „Dieser Termin findet unter normalen Umständen Ende Mai oder Anfang Juni statt. Doch was ist momentan normal? Unsicherheit herrscht allenthalben. Was darf ich? Was darf ich nicht? Dies sind die entscheidenden Fragen. Auch wir warten auf Antworten und Hilfen. Doch es ist unsere Pflicht, uns zusammenzutun, um das Schiff Karneval in Eschweiler auf Kurs zu halten. Heute aber dürfen wir auch dankbar zurückblicken und darauf hoffen, dass diese Zeiten wiederkehren“, begrüßte Komitee-Präsident Norbert Weiland die Teilnehmer gleich mit emotionalen Worten.

Und diese Grundstimmung sollte die kommenden rund zwei Stunden prägen. Schließlich galt es von einem Mann Abschied zu nehmen, der zumindest in seinem derzeitigen Amt letztmals im Kreis der Komiteemitglieder weilte. Bürgermeister Rudi Bertram zog alle Blicke auf sich, als Norbert Weiland zu einer kurzen Lobeshymne ansetzte: „Er war immer an unserer Seite, hat uns stets geholfen, war mit Rat und Tat zur Stelle und hat uns unzählige Türen geöffnet. Rudi Bertram hat den Stellenwert des Karnevals in Eschweiler erkannt und grundsätzlich propagiert“, so die Worte des Präsidenten, die zu stehend dargebrachten Ovationen führten.

Wenig später ergriff mit Heinz Jansen der Vorsitzende des Ehrenrates das Wort, um die Ehrenmitgliedschaft des bald scheidenden Verwaltungschefs zu beantragen. „Rudi Bertram war und ist ein Wohltäter des Eschweiler Karnevals und hat in seinem Amt 21 Jahre lang unser Brauchtum nach Kräften unterstützt. Er ist in einem Atemzug zu nennen mit den weiteren Lichtgestalten der Eischwiele Fastelovend“, lautete die Begründung des ehemaligen Präsidenten der Scharwache, der die Gäste ausnahmslos zustimmten.

Gerührt, aber nachdenklich erwiderte Rudi Bertram: „Ursprünglich war ich der festen Absicht, dieses Ansinnen abzulehnen. Die Ehrenmitglieder wie Männ Dohmen, um nur einen Namen zu nennen, haben Unglaubliches geleistet. Ich möchte mich nicht mit ihnen auf eine Stufe stellen. Dennoch nehme ich die Ehrenmitgliedschaft an. Ich tue dies im Namen aller Karnevalisten, die nicht in der ersten Reihe stehen, aber unverzichtbar sind. Bitte vergesst diese Menschen nicht“, so der Appell des Ausgezeichneten.

Ehrerbietung: Letztmals nahm Rudi Bertram als Bürgermeister an der Jahresschluss-Sitzung teil. Bevor er zum Ehrenmitglied des Komitees ernannt wurde, erhoben sich Harald Ripp, Norbert Weiland, Walter Münchow, Karl-Heinz Kamm und alle weiteren Gäste von ihren Sitzen, um ihm für sein Engagement zu danken.
Ehrerbietung: Letztmals nahm Rudi Bertram als Bürgermeister an der Jahresschluss-Sitzung teil. Bevor er zum Ehrenmitglied des Komitees ernannt wurde, erhoben sich Harald Ripp, Norbert Weiland, Walter Münchow, Karl-Heinz Kamm und alle weiteren Gäste von ihren Sitzen, um ihm für sein Engagement zu danken. Foto: Andreas Röchter

Zuvor hatte Komitee-Geschäftsführer Harald Ripp einen ausführlichen Jahresbericht vorgetragen, der natürlich in „zuvor“ und „danach“ einzuteilen war. Der erste Teil war geprägt von einem Rückblick auf eine Session, die laut der nun ehemaligen Tollität Simon Hendriks „zu einem Erlebnis wurde, wie wir es uns besser nicht hätten wünschen können“, sprach der Ex-Prinz auch im Namen seines Zeremonienmeisters und Bruders David.

„Doch nach Aschermittwoch war tatsächlich alles vorbei“, so Harald Ripp. Das Coronavirus habe das Leben „komplett umgekrempelt!“. Kein Karneval in Wattrelos, keine Sommerfeste und eine alles andere als normale Session 2020/2021, in der es keinen Narrenherrscher geben wird. „Dass die KG Narrenzunft Pumpe-Stich ihre Bewerbung zurückgezogen hat, ist für uns ein vollkommen nachvollziehbarer Schritt“, betonte der Geschäftsführer.
Keine Bewerbungen angenommen

Alle Gesellschaften hätten der Entscheidung zugestimmt, die Bewerbung um ein Jahr zu verschieben. Bewerbungen für die Folgejahre haben die KG Lustige Reserve sowie die KG Ulk Hehlrath eingereicht. „Bis einschließlich der Session 2023/2024 werden keine weiteren Bewerbungen angenommen“, ließ Norbert Weiland verlauten. Auch der „Tag des Karnevals“ falle aus sowie weitestgehend öffentliche Sitzungen.

Dennoch gelte es, ein Zeichen zu setzen: „Wir sind da und nicht kleinzukriegen“, stellte der Komitee-Präsident unmissverständlich fest. Dies sei auch der Leitsatz für das Motto der Session 2020/2021, das „Zesammehalde, zesammestonn. Alles widd jood on wiggere jonn“ lautet und während der Jahresschluss-Sitzung präsentiert wurde.

Zu guter Letzt informierte Norbert Weiland die Gäste über ein Schreiben von Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei in Düsseldorf, mit dem dieser den Brief des Komitees an Ministerpräsident Armin Laschet, der die Bitte nach näheren Informationen zur anstehenden Session im Hinblick auf die Corona-Krise enthielt, beantwortete. „In diesem heißt es, dass es für abschließende Entscheidungen noch zu früh sei und der Schutz der Gesundheit natürlich an oberster Stelle stehe. Fazit: Das Schreiben enthält nichts Neues. Für uns bedeutet dies, weiter abzuwarten!“ Mit gemischten Gefühlen traten die indestädtischen Karnevalisten den Heimweg an.

Wir zitieren die Eschweiler Zeitung vom 10.09.2020, Text: Andreas Röchter

Jahresabschlusssitzung 2020